Kompetenzfeststellung für EU-Zuwanderer

Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des europäischen Sozialfonds

 


Der Trägerverund Agentur für Arbeit Dortmund, Jobcenter Dortmund, Stadt Dortmund (Sozialdezernat), Caritasverband Dortmund e.V., Diakonisches Werk Dortmund und Lünen gGmbH, dobeq GmbH und GrünBau gGmbH finanziert aus ESF-Mitteln, setzt seit 2017 ein Projekt um, dass den Fokus auf die Stärkung der in Dortmund lebenden EU-Zuwanderer legt. Dabei ist das gemeinsame Ziel eine Einmündung in die Erwerbsarbeit zu erreichen. Primär handelt es sich um EU-Bürger*innen, die aufgrund von massiver Armut und Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern, in Dortmund eine neue Aussicht auf Erwerbsintegration suchen.

 

Im Rahmen einer vorherigen Projektförderung (ab 01.01.2014) wurde die Ökumenische Anlaufstelle "Willkommen Europa" aufgebaut. Sie ist mit einem aufsuchenden und zugehend arbeitenden Team besetzt, die über einen muttersprachlichen Zugang verfügen. Neben Bulgarisch und Rumänisch werden noch weitere Sprachen wie Türkisch, Italienisch, Russisch, Kroatisch und Polnisch angeboten.

Im Projektverlauf hat sich die Anlaufstelle als Ausgangspunkt für aufsuchende Arbeit, wie auch für die Kompetenzfeststellung etabliert.

Die Arbeit im Bereich Kompetenzfeststellung wurde im weiteren Projektverlauf zunehmend eng und systematisch mit der aufsuchenden Arbeit und anderen sozialräumlichen und lokalen Akteuren verknüpft und trägt einen Betrag zur Arbeitsmarktiontegration bei. Sie besteht aus erfahrenem und geschultem Personal sowie aus Kulturmittlern, sprachkompetenten Mitarbeitern der dobeq GmbH sowie GrünBau gGmbH (Team Kompetenzfeststellung/Team Arbeit).

Die Kompetenzfeststellung ist speziell auf die Zielgruppe ausgerichtet, die den Wunsch einer nachhaltigen Arbeitsmarktintegration verfolgen und somit bereit und motiviert sind, in einem ersten Schritt an der freiwilligen Kompetenzfeststellung teilzunehmen.

Es wurde eine Toolbox zur Erhebung der formal, nicht formal und informell erworbenen Kompetenzen der Zugewanderten, sowie ihrer beruflichen und allgemeinen Schlüsselkompetenzen entwickelt.

Somit besteht die Kompetenzfeststellung aus folgenden Komponenten:

  • Leitfadeninterview mit dem Schwerpunkt "Arbeitsmarktintegration"
  • Vorwiegend handlungsorientierte sprachentlastete und kultursensible Verfahren/Arbeitsproben (personale-, soziale-, methodische- und berufsbezogene Kompetenzen)
  • Einschätzung des Sprachstandes/Deutschtest
  • Einschätzung Grundwissen Mathematik
  • Einschätzung räumliches Vorstellungsvermögen
  • Logisches Denken
  • Technisches Verständnis

Nach der Kompetenzfeststellung wird mit jedem Teilnehmer ein differenziertes, individuelles und sprachgemitteltes Auswertungsgespräch geführt. Im Rahmen des Auswertungsgespräches erhält jeder Zuwanderer ein aussagekräftiges Zertifikat, aus dem alle Ergebnisse hervorgehen. In diesem Gespräch werden nicht nur die Ergebnisse verdeutlicht sowie transparent und visuell dargestellt, sondern auch erste Schritte in Richtung Arbeitsmarktintegration und/oder die warme Übergabe in flankierende Projekte konkret besprochen.

Wie bereits kurz skizziert arbeitet der Bereich kompetenzfestetellung eng verzahnt mit dem Team aufsuchende Arbeit, damit von Anfang an jeder gemeinsme Schritt der Arbeitsmarktintegration der Menschen erarbeitet und begleitet werden kann. Durch diese konkrete Zusammenarbeit der muttersprachlichen aufsuchenden Arbeit mit der Kompetenzfeststelung ist es uns gemeinsam gelungen einige Zuwander*innen in den (regionalen) Arbeitsmarkt zu integrieren.

Neben der Durchführung der Kompetenzfeststellung und der Arbeitsmarktintegration ist es die Aufgabe des Teams Kompetenzfeststellung die zugewanderten Menschen über allgemeine berufliche Anforderungen in Deutschland zu sensibilisieren, zu informieren, diese transparent und kulturspezifisch zu verdeutlichen.

Von der Durchführung bzw. den Ergebnissen der Kompetenzfeststellung profitieren die Zugewanderten, die Fachkräfte für aufsuchende Arbeit, die Arbeitsmarktlotsen des Jobcenters und die Agentur für Arbeit zu gleichen Teilen. Alleine die grundsätzliche freiwillige Teilnahme an der Kompetenzfeststellung ist ein Indikator dafür, ob eine Bleibeperspektive verfolgt wird, ob das Interesse und die Motivation für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt vorhanden ist. Somit können alle Fachkräfte daraus schließen, ob eine intensive Betreuung gerechtfertigt ist. Des Weiteren helfen die bilanzierten Ergebnisse aus der Kompetenzfeststellung dabei eine passgenaue Vermittlung in Beschäftigung zu finden.

Auch dient die Kompetenzfeststellung als "Türöffner" für mögliche Arbeitgeber. Die Kompetenzfeststellung hilft dem Arbeitgeber sich anhand der Ergebnisse einen ersten Überblick über die bereits vorhandenen Vorerfahrungen zu erhalten. Dies kann eine passgenaue Zuschneidung möglicher Aufgaben ermöglichen und die Arbeitsaufnahme erleichtern.

Ablauf:

Die Kompetenzfeststellung findet in der Regel jeden Dienstag in der Malinckrodtstr. 138/140 in Dortmund statt (Verortung direkt in der Nordstadt).

Um an der Kompetenzfestetellung teilnehmen zu können muss in einem ersten Schritt geprüft werden, ob die Zuwander*innen die Kriterien erfüllen (Alter, Bildung, Wohnort). Die Anmeldung erfolgt dann direkt in der Anlaufstelle durch das Team Arbeit. Die Teilnehmerzahl ist jeden Dienstag auf 10 TN begrenzt.

Sprachförderung:

Die Kulturmittler/Team Arbeit bieten zusätzlich zu den niedrigschwelligen Beratungs- und Betreuungsangeboten auch einen unkomplizierten und schnellen Einstieg in eine erste niedrigschwellige Sparchförderung an. Unter der Überschrift "Einführung in die deutsche Lebenswelt" ist es für alle ratsuchenden Zuwanderer möglich, für wenige Stunden oder Tage an dieser "Sprachlerngelegenheit" teilzunehmen. Beispielhafte mögliche Inhalte sind:

  • Sensibilisierung für die deutsche Sprache im allgemeinen
  • das Kennenlernen des deutschen Alphabets (Buchstabieren des eigenen Namen), Zahlensystem (1-31) um z.B. das eigene Geburtsdatum angeben zu können

Als erstes Ziel kann die Sensibilisierung für mögliche weitere Sprachkurse, die Einschätzung einer möglichen Sprachaffinität sowie einen ersten Blick auf die persönlichen Kompetenzen wie Motivation, Ausdauer und Sorgfalt gegeben werden. Darüber hinaus bietet ein weiteres bedarfsgerechtes Qualifizierungsangebot zum Thema "Deutsch am Arbeitsplatz" in Form von Veranstaltungen mit begrenzter kompakter Zeitdauer und intensivem arbeitscharakter.

Das Ziel der angebotenen Workshops und Trainings ist es durch den Ausbau der funktionalen kommunikativen Fähigkeit der Teilnehmenden, die Basis einer sprachlichen Qualifizierung für die Arbeitswelt zu schaffen, aber auch die Teilhabe an der sozialen Gemeinschaft - im privaten sowie im beruflichen Umfeld - zu ermöglichen.

Die Sprachförderangebote berücksichtigen den individuellen Lernbedarf der Zugewanderten und sind auf die Anforderungen von Betrieben abgestimmt. So wurde z.B.  ein sechstägiger Workshop zum Thema "Sicherheit im Betrieb" konzipiert, in dem unter Berücksichtigung der Rückmeldungen von Arbeitgebern Grundlagen des Arbeitsschutzes und Informationen zu Sicherheitsunterweisungen vermittelt wurden. Mit dem Workshop "Deutsch für das Berufsfeld Lager" wurde auf den gemeldet Bedarf an Arbeitskräften in diesem Bereich reagiert. In dem dreitägigen Mobilitätstraining "Unterwegs durch meine neue Stadt" lernen die Teilnehmer*innen sprachliche Mittel, die eine eigenständige Orientierung und Fortbewegung mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt ermöglichen.

In 2017 wurden folgende Veranstaltungen angeboten:

  • Mobilitätstraining (3 Durchgänge)
  • Sicherheit im Betrieb (2 Durchgänge)
  • Deutsch für das Berufsfeld Lager

Daran haben 55 Menschen teilgenommen.

Im Rahmen des Workshops und Trainings werden überwiegend authentische Materialien eingesetzt, die für den Unterricht so aufgearbeitet werden, dass sie ein an konkrete Anforderungen im Berufsleben angepasstes Lernen ermöglichen. Lerninhalte außerhalb des Kursraumes (Exkursionen, Stadtrallys) gewährleisten, dass das Gelernte praktisch angewendet wird.

Ein weiterer Bestandteil der Sprachförderung ist die Sparchlernberatung. Im Rahmen individueller Termine wird der individuelle Lernbedarf der Teilnehmenden ermittelt und anschließend nach Sprachkursangeboten recherchiert, die sowohl dem Lernstand als auch der aktuellen Lebenssituation sowie den Zielen der Lernenden entsprechen.

Es ist für das Vorhaben "Willkommen in der Nordstadt" ein großer Gewinn, eine direkte verfügbare und barrierefrei zugängliche Sprachförderung im Team zu haben. Die schrittweise Integration in Arbeit und der Spracherwerb kann so frühst möglich miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt werden.

 

Zielgruppe:

Prekär lebende EU-Bürger*innen

 

Voraussetzungen:

Wohnhaft in Dortmund/Nordstadt

 

Inhalt:

Gemeinsam mit dem Trägerverbund eine auf EU-Zuwander*innen zugeschnittene Kompetenzfeststellung gekoppelt an eine mögliche Arbeitsmarktintegration, Sprachförderung

 

Ziel:

Kompetenzfeststellung und Arbeitsmarktintegration

 

Zeiten:

09:00 Uhr - 13:00 Uhr, Auswertungsgespräche nach individueller Absprache

 

Ort:

Mallinckrodstr. 138, 44147 Dortmund

 

Anmeldung:

Die Anmeldung zur Kompetenzfeststellung erfolgt entweder bei der dobeq unter:

0231 958000-19 a.kowollik@dobeq.de Ansprechpartnerin Alexandra Kowollik

oder direkt bei der Anlaufstelle "Willkommen Europa", Bornstr. 64, 44145 Dortmund, Tel: 0231 28861040

 

Kooperationspartner:

ESF - Förderprogramm

ESF-kofinanzierte Einzelprojekte

SQSM - Starke Quartiere, starke Menschen

Stadt Dortmund

Jobcenter Dortmund

GrünBau gGmbH

Diakonisches Werk Dortmund und Lünen gGmbH

Caritasverband Dortmund e.V.

 

 

Ansprechpartner*in

Alexandra Kowollik
Projektbereichsleiterin, EU-Zuwanderer, Kompetenzfeststellung
Hansastraße 20
44135 Dortmund
T. 0231 95 80 00 19
a.kowollik@dobeq.de